Pieter-Jan Belder – The Fitzwilliam Virginal Book Vol. 1

Pieter-Jan Belder (c) & Quelle: pieterjanbelder.nlPieter-Jan Belder gilt seit Jahren als einer der besten Cembalisten weltweit und als ein unbestechlicher Fachmann für historisch-informiertes Spiel Alter Musik, übrigens auch als Flötist und Dirigent. Zahlreiche seiner Aufnahmen gelten als Referenz-Einspielungen, ein Großteil seiner Diskographie erschien bei Brilliant Classics, so etwa seine richtungweisende Gesamteinspielungen sämtlicher Sonaten von Domenico Scarlatti, der Kammer- und Klaviermusik von Henry Purcell oder der Klaviermusik von Johann Sebastian Bach. Als Interpret widmet er sich nur nur dem Standard-Repertoire der Alten Musik, sondern ist stets auf der Suche nach fast vergessenen Raritäten.

Pieter-Jan Belder - The Fitzwilliam Virginal BookSein neuestes Album ist der erste Teil einer langfristig geplanten Reihe, bei der er die Werke des Fitzwilliam Virginal Book, der umfangreichsten Sammlung von Cembalo-Musik des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts in England, vollständig einspielen werden soll. Auf Volume 1 spielt er Werke von John Bull (1563–1628), Giles Farnaby (1562-1640), William Byrd (ca. 1543–1623), Martin Peerson (ca. 1572–1650), Peter Philips (1561–1628), Giovanni Picchi (ca. 1571-1643), Thomas Tomkins (1572-1656), Orlando Gibbons (1583-1625), William Inglot (ca. 1554-1621), Thomas Morley (1557/8-1608), Nicholas Strogers (bl. 1560-1575) und Edward Johnson (1572-1601).

Die elisabethanische Regentschaft (und auch die Zeit danach unter ihrem Nachfolger Jakob I.) war das „goldene Zeitalter“ der englischen Musik und so sind die vom Komponisten Francis Tregian (1574–1619) zusammengetragenen Werke so unterschiedlich wie ihre Komponisten. Sie reflektieren exemplarisch die Bandbreite der Musik beim Übergang von der Spätrenaissance ins Frühbarock. Genau diese Bandbreite wurde auch bei der Zusammenstellung der 35 (von nahezu 300) Werke berücksichtigt. Die Doppel-CD bietet ein möglichst abwechslungsreiches Programm.

Technisch makellos nähert sich Pieter-Jan Belder mit viel Sachverstand und spielerischem Einfühlungsvermögen den Stücken, unterscheidet genau zwischen der Werkart und dem Komponisten und passt dementsprechend seine Spielart und – wenn nötig – das Instrument an. Mal virtuos, mal gefühlvoll, mal tänzerisch, mal elegant. Das Ergebnis ist ein überaus abwechslungsreiches Album geworden, das die gesamte Bandbreite der Ausdrucksmöglichkeiten des Cembalos ausnutzt.

Das englischsprachige Booklet informiert ausführlich über das Fitzwilliam Virginal Book, die Komponisten und ihre Werke und über den Interpreten. Die sorgfältig aufgelisteten diskografischen Angaben führen die verwendeten Cembali auf. Die Aufnahmen zu dieser bemerkenswerten Doppel-CD entstanden in der Nederlands Hervormde Kerk (niederländisch-reformierte Kirche) in Mijnsherenland und genügen mit ihrem direkten, warmen und intimen Klang auch gehobenen Ansprüchen.

Fazit: Pieter-Jan Belder schickt sich an eine aufschlussreiche Sammlung aufzunehmen und gleichzeitig eine Lücke in der Alten-Musik-Diskografie sachkundig zu schließen. Die abwechslungsreiche Musik des Fitzwilliam Virginal Book wendet sich sowohl an Experten, als auch an neugierige Einsteiger in die Cembalo-Musik, die im späten 16., frühen 17. Jahrhundert in England erstmalig aufblühte.

Musik & Interpretation
Klangqualität
Cover & Booklet

Die Doppel-CD The Fitzwilliam Virginal Book Vol. 1 von Pieter-Jan Belder ist am 2. Februar 2012 auf Brilliant Classics (94303) erschienen und kann im Fachhandel erworben oder bei großen Buch- und CD-Versendern wie → amazon.de und → jpc.de (Links öffnen die jeweilige Produktseite) bestellt werden.