Costantino Mastroprimiano: Muzio Clementi – Complete Sonatas for Fortepiano

Muzio Clementi im Portrait von Aleksander Orłowski [Public domain]: Der italienische Komponist, Pianist, Musikverleger und Klavierbauer Muzio Clementi (1752–1832) gilt heutzutage mit einiger Berechtigung als “Vater des Pianoforte”; sein Beitrag als Komponist, Pianist, Verleger und Klavierbauer zum Siegeszug des neuartigen Tasteninstruments im späten 18. Jahrhundert ist nicht hoch genug einzuschätzen.

Bereits als 14-Jähriger wurde sein Talent von einem britischen Mäzen entdeckt, der ihn adoptierte und in England gründlich ausbilden ließ. Als junger Mann ließ sich Clementi in London nieder, wo er mit großem Erfolg am lokalen Konzertleben als Pianist teilnahm. Ermutigt von diesen Erfolgen, begab er sich in den 1780er Jahren auf eine ausgedehnte Konzertreise durch die europäischen Kulturmetropolen, die ihn an die bedeutenden Höfe in Paris, München, Salzburg und Wien führen sollte. Weitere ausgedehnte Tourneen sollten in den folgenden Jahrzehnten folgen, die seinen Ruhm als Ausnahme-Virtuosen festigten. Parallel zu seiner Karriere als Musiker betätigte er sich außerdem auch mit der ‘geschäftlichen Seite’ seines Metiers als Musikverleger und als Klavierbauer — und in zunehmendem Maße als Komponist. Als solcher schrieb er hauptsächlich Werke für sein Instrument, aber auch Orchester- und Vokalwerke.
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Choir of King’s College, Cambridge · Brandenburg Consort, Stephen Cleobury: Johann Sebastian Bach – Johannes-Passion

Johann Sebastian BachWir nähern uns dem Höhepunkt der Oster- und Passionszeit: Mit dem Palmsonntag an diesem Wochenende beginnt die Karwoche, die den Höhepunkt des Kirchenjahres darstellt. Auch in der heutigen weltlichen Gesellschaft haben solche Feiertage eine gewisse symbolische Bedeutung. Auch ohne religiösen Bezug ist dies die Zeit (neben der Advents- und Weihnachtszeit), in der die an geistlicher Musik orienteriten Chöre ein Konzert nach dem anderen geben. Ganz hoch im Kurs stehen dabei die zentralen Werke von Johann Sebastian Bach (1685-1750) zum Osterfest, also neben dem Oster-Oratorium und einigen Oster-Kantaten vor allem die Matthäus-Passion und die Johannes-Passion. Auch die Plattenfirmen nutzen diese Zeit, um zahlreiche Aufnahmen der Bach’schen (und anderen) Passionen auf den Markt zu bringen. Nur wenige Titel haben sich über die Jahre als “Dauerbrenner” erwiesen. Die 1995 entstandene Aufnahme des Choir of King’s College aus Cambridge mit Brandenburg Consort unter der Leitung von Stephen Cleobury ist seit Jahren einer der absoluten Highlights im Brilliant-Classics-Programm. Nun ist die vielfach hochgelobte in einer schönen Edition auf zwei CDs mit Bonus-DVD wiederveröffentlicht worden.
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Erik Bosgraaf · Ensemble Cordevento: Johann Sebastian Bach – Concertos for Recorder

Darf ich an dieser Stelle ehrlich sein, ohne gleich als unprofessionell zu gelten? In manch puristischen Diskussionsforen gelten dezidierte Likes und Dislikes als Tabu. Klassische Musik ist per definitionem erhaben und alle Komponisten haben ausschließlich Meisterwerke komponiert. Wer daran zweifelt oder gar frevelhaft formuliert, was er nicht mag, gilt als Ketzer. Ich glaube nicht an den automatischen Geniestreich, weder von Komponisten, noch von Interpreten. Es gibt Instrumente, die ich mehr schätze als andere, es gibt Epochen, die mich mehr sprechen als andere. Erik Bosgraaf;  Photo © Marco Borggreve (marcoborggreve.com)Die Blockflöte ist da ein gutes Beispiel: Normalerweise kann ich mit Musik für (Block-) Flöte gar nicht viel anfangen. So mühelos und technisch makellos auch die neue Generation an Flötisten und Flötistinnen sich durch die umfangreiche Literatur für Flötenmusik spielen, so wenig spricht mich davon als Hörer dauerhaft an. Die meisten Veröffentlichungen perlen an mir ab, treffen einfach nicht meinen Nerv. Umso erstaunlicher ist es, wenn sich mal eine CD eines Flötisten für längere Zeit in meinem CD-Player festsetzt und ich einfach nicht genug von ihr hören kann. Solch eine bei mir seltene Ausnahme ist dem nun dem jungen Blockflötisten Erik Bosgraaf mit seiner neuen CD gelungen.
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